Natur & Makro

Eine Pusteblume im Dunkeln

Es sind oft die unscheinbaren Motive, die mich beim Fotografieren besonders faszinieren. Dazu gehören eine einzelne Blume am Wegesrand, ein Sonnenstrahl zwischen den Gräsern oder kleine Details in der Natur, an denen man normalerweise einfach vorbeilaufen würde. Mit der Kamera lohnt es sich, genauer hinzusehen.

So ist auch diese Aufnahme einer Pusteblume entstanden, die ich am 2. Juni 2021 mit meiner Nikon Z6 und meinem Sigma 105 mm Makroobjektiv fotografiert habe. Ein eigentlich ganz gewöhnliches Motiv, das durch die spätere Bildbearbeitung eine vollkommen andere Wirkung erhalten sollte. Gerade bei der Makrofotografie zeigt sich nämlich manchmal erst im Nachhinein, wie unterschiedlich ein und dasselbe Motiv wirken kann

Filigrane Pusteblume vor dunklem Hintergrund mit geheimnisvoller Lichtstimmung

Eine Pusteblume im Sonnenlicht

An diesem Tag entstand zunächst eine helle, natürliche Aufnahme. Die Pusteblume stand zwischen Gräsern, umgeben von sommerlichem Grün. Das Sonnenlicht ließ die feinen Schirmchen leuchten und verlieh dem Motiv eine leichte, beinahe verträumte Atmosphäre.

Für solche kleinen Entdeckungen greife ich gerne zu meinem Makroobjektiv. Mit dem Sigma 105 mm lassen sich Details festhalten, die man zwar mit bloßem Auge wahrnimmt, denen man aber selten größere Aufmerksamkeit schenkt. Besonders schön finde ich dabei die Möglichkeit, mit einer geringen Schärfentiefe zu arbeiten und das eigentliche Motiv vom Hintergrund abzuheben.

Bei dieser Aufnahme habe ich eine Blende von f/3.3 verwendet. Dadurch verschwimmen die Gräser im Hintergrund zu weichen Formen, während die Pusteblume im Mittelpunkt steht.

Eigentlich hätte das Foto auch so bleiben können. Es ist eine freundliche, sommerliche Naturaufnahme, die mir durchaus gefallen hat.

Doch manchmal kommt alles anders und ich finde ein paar Regler in Lightroom zu interessant 😅

Pusteblume im Sonnenlicht zwischen grünen Gräsern, aufgenommen mit einem Makroobjektiv

Wenn aus Licht plötzlich Dunkelheit wird

Die Idee, dem Foto eine völlig andere Atmosphäre zu verleihen, entstand erst bei der späteren Bearbeitung in Adobe Lightroom. So wurde aus der hellen, sommerlichen Aufnahme mit ihren kräftigen Grüntönen eine dunkle, beinahe mystische Szene.

Die Farben wirken nun deutlich zurückhaltender, die Schatten tiefer und die feinen Schirmchen der Pusteblume treten umso stärker hervor. Was vorher wie eine kleine Sommerwiese aussah, erinnert jetzt fast an eine geheimnisvolle Landschaft in der Dämmerung.

Besonders faszinierend finde ich, wie sehr sich dadurch die Wahrnehmung verändert. Es ist noch immer dieselbe Pusteblume, dieselbe Perspektive und derselbe Augenblick. Und trotzdem erzählen die beiden Versionen für mich ganz unterschiedliche Geschichten.

Während die ursprüngliche Aufnahme Leichtigkeit und Sommer vermittelt, wirkt die bearbeitete Version stiller, geheimnisvoller und vielleicht sogar ein wenig melancholisch.

Ein Foto, zwei Stimmungen

Gerade diese Veränderungen sind für mich der Reiz der Bildbearbeitung. Ein Foto muss nicht zwangsläufig so bleiben, wie es ursprünglich von der Kamera eingefangen wurde. Durch die Bearbeitung lassen sich unterschiedliche Stimmungen erzeugen und Motive neu interpretieren.

Dabei geht es mir jedoch nicht darum, aus jeder Aufnahme etwas Spektakuläres zu machen. Oft gefallen mir natürliche Farben und eine dezente Bearbeitung genauso gut. Aber hin und wieder macht es einfach Spaß, etwas Neues auszuprobieren und zu schauen, wohin die kreative Reise führt.

Und manchmal entstehen dabei Ergebnisse, die man beim Drücken des Auslösers noch überhaupt nicht im Kopf hatte.

Bei dieser Pusteblume gefällt mir besonders das Zusammenspiel von Licht und Dunkelheit. Die hellen, filigranen Schirmchen bilden einen schönen Kontrast zur dunklen Umgebung. Gleichzeitig sorgen die unscharfen Gräser für eine gewisse Tiefe, ohne dem eigentlichen Motiv die Aufmerksamkeit zu nehmen.

Die Aufnahmedaten

Für alle, die sich auch für die technischen Details interessieren, hier die Kameraeinstellungen:

  • Kamera: Nikon Z6
  • Objektiv: Sigma 105 mm f/2.8 EX DG OS HSM Macro
  • Brennweite: 105 mm
  • Blende: f/3.3
  • Belichtungszeit: 1/1000 Sekunde
  • ISO: 100
  • Belichtungskorrektur: 0 EV
  • Aufnahmedatum: 2. Juni 2021
  • Bildbearbeitung: Adobe Lightroom

Fotografie endet nicht mit dem Auslösen

Für mich ist die Bildbearbeitung ein ebenso wichtiger Bestandteil der Fotografie wie das Fotografieren selbst. Natürlich freue ich mich, wenn eine Aufnahme direkt aus der Kamera meinen Vorstellungen entspricht. Ich sehe jedoch keinen Grund, warum man sich bei der späteren Gestaltung auf eine naturgetreue Darstellung beschränken sollte.

Fotografie darf für mich auch kreativ sein. Sie darf Stimmungen verstärken, Farben verändern und eine andere Sichtweise auf ein Motiv ermöglichen.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Pusteblume. Aus einer hellen Naturaufnahme wurde ein Bild, das eine ganz andere Atmosphäre ausstrahlt. Und genau diese dunkle, beinahe märchenhafte Wirkung gefällt mir bis heute.

Es lohnt sich also manchmal, ein Foto nicht gleich nach der ersten Bearbeitung abzuhaken, sondern ein bisschen zu experimentieren.

Wie ist das bei euch? Mögt ihr Naturfotografien lieber natürlich oder gefallen euch auch kreative, stimmungsvolle Bearbeitungen?

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